Sonntag, 13. August 2017

11 Tage Kattegattleden - ein Fisch gehört ins Wasser


Ich freute mich auf den Urlaub. Diesmal sollte es mal was ganz anderes sein.
Etwas was ich noch nie gemacht hatte, was mich noch nie angezogen hatte, aber durch den Impuls meiner Partnerin dann doch zu mir kam und mich erst einmal mit Vorfreude und Aufregung beglückte.

11 Tage Kattegattleden. Eine Radtour an der schwedischen Westküste entlang, die wir in Kopenhagen begannen und in Göteborg beendeten. 438 km hatte ich am Ende auf dem Kilometerzähler.
Ich habe es also geschafft...

Schweden ist schön, keine Frage, viele schöne Momente gab es, so wie immer im Leben, wenn man zurückschaut und der Überblick all die kleinen Highlights aufflammen lässt. Und das ist auch gut so. Aber da war auch der andere Part, der des Fahrradfahrens mit einem 8 Gang Fahrrad, im mittleren Preissegment. Im nach hinein, als nicht wirklich geeignet empfunden, für eine solche Reise, für einen solchen Extremsport, für eine solche Tortur.

Dies ist kein Reisebericht sondern vielmehr die Beschreibung einer Reise zu mir selbst.

Wieder mal wählte ich dafür Schmerz, Entbehrung, Opfer.
Als ob es anders nicht ginge. Komisch nicht wahr?
Ich schreibe diese Geschichte deshalb auf, weil es mir heute – 2 Tage nach der Reise – wie Schuppen von den Augen fällt, für was dieser ganze Urlaub symbolisch steht: er zeigt mir auf, was geschieht, wenn ich nicht das tue, was ich wirklich tun will, wenn ich noch verstrickt bin in irgendwelche angelernte Muster.

Diese meine Muster sind:
  1. Gefallen wollen, um „Liebe“ zu bekommen
  2. Im Außen nach innerer Führung suchen - ein Widerspruch in sich, aber tatsächlich das Dilemma von Millionen Menschen, die nicht erst tief in sich hineinhorchen, bevor sie Handeln.

Und das hatte ich diesmal auch versäumt, einfach weil es anscheinend so viel leichter ist, anderen zu folgen, anstatt mir selbst. Ich lebte damit meine scheinbare Schwäche aus (die Entscheidungsführung braucht) und vergaß dabei, wie viel Kraft ich aufbrachte, mich überhaupt in meiner Schwäche halten zu können.

Denn ich bin stark. Wir sind alle stark. Ausgestattet mit den schöpferischen Kräften unseres Gottes, der möchte, dass wir glücklich sind. Denn nur wenn wir glücklich sind und damit voller Freude für unser Leben brennen, kommen wir in eine Energie, die andere inspirieren kann, ebenfalls richtig zu wählen.

Deshalb ist es so wichtig dem eigenen Herzen zu folgen, das immer genau weiss, was wir brauchen, um in Frieden mit uns zu sein. Denn nur dort - tief in uns- in der Stille und in der Ruhe des inneren Gewahrseins, können wir die Stimme Gottes für uns hören.


Wie konnte das nun also wieder passieren, denn ich weiß es ja eigentlich besser?

Wenn ich nicht weiß was ich will und damit nicht meinem wahrem Sein folge - meiner Stärke durch Gott - dann wähle ich die Führung durch das Außen, anstatt den Ruf Gottes in mir zu folgen.

Es ist allerdings immer wieder atemberaubend, auf welche Weise Gott meine „falschen“ Entscheidungen nutzt, um mir durch plötzliche Erkenntnis zu erklären, dass das ja gar nicht mehr so sein muss.

Ich muss nicht leiden, ich muss mir Gottes Liebe nicht verdienen.
Was es allerdings braucht ist Disziplin. Eine Disziplin immer wieder bewusst die Entscheidung zu treffen, erst das Herz zu befragen, was zu tun ist um dann danach zu handeln. Nur so kann es gelingen, sich aus der Abhängigkeit angelernter, selbstschädigender Muster zu befreien. Sie wandeln sich dann um, in eine freiwillige Abhängigkeit allein von Gott.
Doch auch nur, damit erkannt werden kann, dass nichts anderes Sinn macht.


Was ist also genau passiert?

Ich bin der Schöpfer meines Lebens. Diesmal indem ich dem Wunsch meiner Partnerin nachkam eine Fahrradtour zu machen, die eine solche Art des Reisens liebt, schon oft gelebt hat und damit ihrer Freude folgt.
Die Verantwortung liegt also völlig bei mir, auch wenn die bekannten, gewohnheitsmäßigen Gedanken des Ego, mir was anderes weiß machen wollen.
Doch diese Gedankenspiele habe ich zum Glück als Lüge durchschaut. Ich bin kein Opfer. Es gibt keine Opfer.

Ich wählte also das Ja zu dieser Reise. Ich sah die Begeisterung in den Augen meiner Frau und diese Vorfreude steckte mich an. Ich prüfte nicht, ob ich das auch wirklich wollte, sondern begab mich auf eine Schiene, die nur darauf achtete: Was andere glücklich macht, muss ja auch gut für mich sein. Bedenken wiegelte ich ab.

Damit war wieder der erste Schritt getan, das Glück im Aussen zu suchen, anstatt bei mir zu bleiben und durch mich eine Entscheidung zu treffen.

Kurzum: ich erlitt diese Reise meistens, einfach weil Fahrradfahren in dieser Dimension als Extremsport nicht zu mir passt. Das weiß ich jetzt immerhin ganz sicher.
Die Energie die ich während der Fahrt ausstrahlte war auch für mich oft unerträglich.
Während meine Partnerin diese Reise genoss, (was durch meine bloße Anwesenheit allerdings erschwert wurde, DANKE an dieser Stelle für deine Geduld Bettina!) kroch ich den Weg und die Hügel hinauf und hinab. Oft weinte ich und schimpfte innerlich mit Gott, während meine Oberschenkel und Gesäßteile stundenlangem Schmerz ausgesetzt waren. Ja ich entschuldigte mich sogar bei meinem Körper, weil ich ihm offensichtlich etwas antat, wofür er gar nicht gedacht ist.

Fazit:

Diese Lektion hat gesessen.
Heute morgen beim Duschen, sah ich ganz klar die Parallele dieser Reise, zu meinem ganzen Leben.

Ernüchterung macht sich breit.
Ganz klar liegen nun auch die leeren Versprechungen des Egos vor mir.
Als ich Bilder von der Reise bei Facebook postete, erntete ich Anerkennung und Respekt.
Einen Respekt, der mich jedoch peinlich berührte, weil er mir wie Schmeicheln vorkam.
Ich bekam ihn schließlich für etwas Aufgesetztes, für etwas was ich nicht wirklich bin und liebe.

Ich erkenne: Selbstliebe ist der Anfang. Wähle und folge ich dem Flüstern meines Herzens, dann liebe ich mich selbst. Aber wenn ich nicht hinhöre, kann ich auch nichts hören, sondern lasse mich vielmehr treiben durch die Entscheidungen anderer für mich.

Wenn man sein Leben hindurch leidet, einfach weil man sich nicht – immer wieder! - konsequent die Zeit nimmt, in sich hineinzulauschen, dann fällt es auch schwer, die Schönheit des Lebens wahrzunehmen.
So kann ein Leben zur Hölle, aber auch zum Himmel werden.
Ein Fisch, der ins Wasser gehört, kann nicht mehr atmen, wenn er sich dafür entscheidet an Land zu hüpfen.

Was bleibt ist Frieden. Ich habe mir verziehen.
Schmerz muss nicht sein. Ich kann jetzt neu wählen.
Und ich wähle Dankbarkeit, Freude und Liebe.

Ob ich nochmal Fahrrad fahre? Ja klar, warum nicht.
Immer dann und so weit, wie mein Herz es empfiehlt.